Die Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Wilhelmsdorf von 1985-1999

 

In den letzten 16 Jahren gab es für die Freiwillige Feuerwehr Wilhelmsdorf drei herausragende Ereignisse, welche ihre Geschichte positiv veränderten

Zum einen war es der Entschluß sich nach einer Patenfeuerwehr umzusehen, zum Anderen 1988 die Anschaffung des Tragkraftspritzenfahrzeuges und schließlich 1997 die Anschaffung des Löschgruppenfahrzeuges LF 8/6.

Wie kam es eigentlich zur Patenwehr?

Angefangen hatte alles damit, daß 1975 das 100 jährige Jubiläum stillschweigend übergangen wurde und am Anfang der Achtziger Jahre der Wunsch verstärkt aufkam dieses Fest doch noch zu feiern. So wurde der Entschluß gefaßt, 1985 das 110 jährige Jubiläum mit einem großen Fest gebührend zu begehen. Der damalige Vorsitzende Horst Richter wollte zum Jubiläum mit etwas ganz besonderem aufwarten, nämlich mit einer Patenfeuerwehr.

Wie aber findet man eine Patenwehr? Horst Richter nahm sich einfach ein Postleitzahlenbuch zu Hilfe. Er blätterte darin, bis er auf zwei weitere Orte mit dem Namen Wilhelmsdorf stieß. Das eine Wilhelmsdorf liegt im Taunus und ist ein Ortsteil der Stadt Usingen, das Andere befindet sich in Baden Württemberg, in der Nähe von Ravensburg. Da Horst Richter annahm, daß die Franken und die Schwaben eine interessante Kombination ergeben würden, entschied er sich für das Wilhelmsdorf aus dem württembergischen Nachbarland.

Diese Entscheidung sollte sich als Glücksgriff herausstellen..

Der Vorsitzende nahm Kontakt mit dem Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr Wilhelmdorf/Württemberg Günther Metzger auf. Dieser war auf Grund Horst Richters Anfrage, ob die FF Wilhelmsdorf/Württemberg die Patenschaft für die FF Wilhelmsdorf/Mfr. übernehmen würde, sehr überrascht. Es bestand jedoch sofortiges Interesse an einer Verbindung.

Nach kurzem Briefwechsel kam es im Mai 1984 zum ersten persönlichen Kontakt zwischen den beiden Feuerwehren. Auch wenn sich beide Orte sowohl in ihrer Einwohnerzahl (Wilhelmsdorf/Württ. ca. 4800, Wilhelmsdorf/Mfr. ca 800) als auch in der Ausrüstung der Feuerwehren deutlich unterscheiden, sollte die kein Hindernis für eine Patenschaft sein.

Das 110jährige Jubiläum wurde vom 28.-30.Juni 1985 unter der Schirmherrschaft von Bundesverkehrsminister Dr. Werner Dollinger gefeiert.

Freitag und Samstag waren der Unterhaltung gewidmet. Am Sonntag, hielt Pfarrer Gustav Wojke einen Festgottesdienst im Festzelt. Nach den Grußworten des Schirmherren Dr. Werner Dollinger, dem Landrat Robert Pfeiffer und dem Bürgermeister Willi Seibold, der auch die Festrede hielt, kam der Höhepunkt der Jubiläumsfeierlichkeiten. Die Enthüllung der neuen Fahne, für die Staatsminister Dr. Karl Hillermeier die Schirmherrschaft übernommen hatte.

Im Rahmen des Festkommers, wurden die Kameraden Ottmar Probst, Helmut Riedel, Rudolf Haßler, Hermann Förster, Burkard Riedel, Herbert Summ, Albert Keßler und Hermann Winkler, für 25 Jahre Dienst bei der Freiwilligen Feuerwehr Wilhelmsdorf, mit dem silbernen Feuerwehr-Ehrenzeichen geehrt.

Im November 1986 verwirklichte sich der lang gehegte Wunsch der Feuerwehr nach einem Tragkraftspritzenfahrzeug. Nachdem die Stadtfeuerwehr Nürnberg eines ihrer Fahrzeuge zum Kauf anbot, wurde dieses besichtigt und man stellte fest, daß es für die Freiwillige Feuerwehr Wilhelmsdorf gut geeignet war. Das Fahrzeug, Baujahr 1965, war in einem recht guten Zustand und der Preis von 1300,-- DM angemessen. Der Kauf wurde vom Gemeinderat unter dem Vorsitz von Bürgermeister Willi Seibold beschlossen und anschließend durchgeführt.

Nun zeigte sich wieder einmal, daß das gute Verhältnis zwischen den Patenwehren nicht nur auf dem Papier existiert, sondern auch praktiziert wird. Der Kommandant der Patenwehr Günther Metzger und sein Stellvertreter Bernd Schick erklärten sich sofort bereit, die fehlende Innenausstattung kostenlos zu besorgen. Die Herstellerfirma für die Ausstattungsgegenstände existierte nicht mehr,so suchten die Feuerwehrmänner im Landkreis Ravensburg nach stillgelegten Feuerwehrfahrzeugen und erstanden die fehlenden Teile vorwiegend aus privaten Beständen. Im Rahmen einer Überlandfahrt rückten die Wehrmänner aus dem Schwabenland mit einem Einsatzfahrzeug an und überbrachten die nötige Ausrüstung.

Die Freiwillige Feuerwehr Wilhelmsdorf wurde 1986 wegen einem Dachstuhlbrand nach Brunn gerufen.

Das Jahr 1987 begann mit einem traurigen Anlaß. Unerwartet verstarb am 8. März nach 35jähriger Tätigkeit der Schriftführer Harald Sattler. Als Nachfolger stellte sich spontan Hans Martin zur Verfügung, der schon das Amt des Kassiers ausübte.

Von der Gemeinde wurden für das Tragkraftspritzenfahrzeug, sowie für Helme, Stiefel, Schläuche und Armabzeichen, insgesamt 6.800,-- DM zur Verfügung gestellt. Im Winter wurden erstmals theoretische Übungsabende im Rathaus abgehalten. Jeder Feuerwehrmann sollte über ein nötiges Grundwissen verfügen, so daß Theorie und Praxis zusammen harmonieren.

Viele Stunden verbrachten Horst Söll, Wolfgang Egermeier und Oskar Belatschek mit dem optimalen Einbau der Geräte in das neue Tragkraftspritzenfahrzeug. Es erwies sich als komplizierter als zuerst angenommen wurde. So dauerte es schließlich bis zum 7. Mai 1988, ehe das Fahrzeug einsatzfähig war und offiziell übergeben werden konnte. Für die Feuerwehr war nun durch die Motorisierung ein neues Zeitalter angebrochen.

In diesem Jahr war auch schon der erste Einsatz mit dem TSF, bei einem Garagenbrand, der mit dem ausgemusterten Tragkraftspritzenanhänger nicht so effektiv möglich gewesen wäre.

An der Jahreshauptversammlung  am 26. Januar 1989, wurden der 1. Vorsitzende Horst Richter, Schriftführer und Kassier Hans Martin und Kommandant Oskar Belatschek von der Versammlung in ihren Ämtern bestätigt. Eine Änderung gab es bei der Wahl zum 2. Kommandanten, nachdem Friedrich Oberglock nach 10 Jahren seinen Posten zur Verfügung stellte. Zu seinem Nachfolger wurde Gunther Belatschek gewählt.

Um sich bei Einsätzen mit anderen Wehren verständigen zu können, wurde am 17. Dezember das Tragkraftspritzenfahrzeug mit einem Funkgerät ausgestattet. Die Wehr verfügte nun über eine für ihre Verhältnisse angemessene Ausrüstung, die vom Feuerwehrfahrzeug über neue Geräte, Schutzanzüge bis hin zur Funkausrüstung reichte. Im Dezember 1989 wurden die neuen Holzspinde, die von Wolfgang und Bernhard Egermeier gefertigt wurden in das Feuerwehrhaus eingebaut.

Das Entgegenkommen der Gemeinde hatte sich auf die Feuerwehr positiv ausgewirkt. Die neue Ausrüstung beflügelte die Aktiven so sehr, daß sogar fehlende Übungsstunden nachgeholt wurden.

In 1990 mußte die Wehr zu einem Scheunenbrand ausrücken, der jedoch zum Glück glimpflich abging. Der Schwerpunkt der Ausbildung und Unterrichtung lag vor allem darin, den Umgang mit der neuen Funkausrüstung zu üben.

In 1991 mußte die Feuerwehr zu 2 Bränden ausrücken. Am 14. Juni brannte es im Obergeschoß eines Hauses und am 21. Juni gab es einen Schwelbrannt in einem Fabrikgebäute. Neben den 22 abgehaltenen Übungen fand eine Gemeinschaftsübung in Emskirchen statt, an der auch die FF Hagenbüchach, das BRK und das THW teilnahmen.

Ein trauriges Jahr wurde 1992 geschrieben, da der Ehrenkommandant Lorenz Blaufelder am 28. Januar verstarb.

Im Jahr 1995 hat sich bei der Feuerwehrführungsspitze ein Generationswechsel vollzogen. Nach 17jähriger Amtszeit und über 25jähriger Dienstzeit bei der Freiwilligen Feuerwehr Wilhelmsdorf, traten Kommandant Oskar Belatschek und Vorsitzender Horst Richter bei den Neuwahlen nicht mehr an. Nach siebenjähriger Tätigkeit als Kassier und vier Jahren als Schriftführer stellte sich auch Hans Martin nicht mehr zur Wahl.

Die Wahlen wurden sehr gut vorbereitet, so daß an der Jahreshauptversammlung drei mögliche Kandidaten zur Verfügung standen, die dann auch von den anwesenden Mitgliedern, in den ihnen zugedachten Ämtern, gewählt wurden.Neuer Kommandant wurde Thomas Schneider, stellvertretender Kommandant blieb Günther Belatschek. Zum Vorsitzenden wurde Jochen Egermeierbestimmt. Zum Kassier und Schriftführer wurde Frank Schneider gewählt.

Der Übungsbesuch hat sich deutlich gebessert, nachdem die Übungen von einem Sonntagmorgen auf einen Wochentagabend verlegt wurden.

Seit diesem Jahr ist die Feuerwehr Mitglied im Kreisfeuerwehrverband.

Im Jahr 1995 beschloß der Gemeinderat, auf Grund der strukturellen Entwicklung der Gemeinde Wilhelmsdorf, die Beschaffung eines Löschgruppenfahrzeuges LF 8/6 mit Zusatzbeladung zur technischen Hilfeleistung. Die Feuerwehrführung wurde mit der Beschaffung beauftragt. Nach der Angebots- und Auswertungsphase, entschieden sich die Feuerwehrkammeraden für einen Aufbau der Firma Ziegler auf einem Fahrgestell der Firma Mercedes-Benz.

Für seine Verdienste bei der Feuerwehr wurde Horst Richter 1995 zum Ehrenvorstand ernannt.

In 1996 wurde die Freiwillige Feuerwehr Wilhelmsdorf zu zwei Einsätzen gerufen. In Gunzendorf schmorte nach einem Blitzschlag eine Beleuchtungseinrichtung, die einen Schwelbrand am Dachstuhl auslöste und in Wilhelmsdorf verursachte die unsachgemäße Handhabung einer Heizung eine Überschwemmung im Keller eines Wohnhauses.

Ein Jahr nach der ersten Angebotseinholung konnten wir unser neues Löschgruppenfahrzeug 8/6, am 6. Mai 1997 bei der Firma Ziegler in Giengen abholen. Die offizielle Fahrzeugübergabe, an der ein großer Teil der Bevölkerung teilnahm, fand am Freitag, den 13. Juni 1997 statt.

Mit der Anschaffung des neuen Fahrzeugs wurde bei der Feuerwehr ein neues Kapitel aufgeschlagen. Durch die neue Ausrüstung ist nun eine schnelle Hilfe in Brandschutz und technischen Hilfeleistung gewährleistet. Dadurch wird sich jetzt auch die Zahl der Einsätze erhöhen, welche von nun an auch aus überörtlichen Aufgaben bestehen.

Im Juli waren bereits die ersten beiden Einsätze mit Atemschutz zu verzeichnen. Am 6. Juli 1997 brach in einer Brennerei in Wilhelmsdorf ein Feuer aus und dann kam es zu einem Einsatz bei einem Brand in einer Futtermittelfabrik in Emskirchen. Neben den beiden Bränden war die Freiwillige Feuerwehr Wilhelmsdorf noch bei drei Verkehrsunfällen und einem Wassereinbruch im Einsatz.

Den Lehrgang und die Prüfung zum Atemschutzgeräteträger legten 14 Kameraden ab. In diesem Jahr fanden 45 Übungen statt.

Am 17. Juli 1997 wurde die Jugendgruppe mit acht Jungen und zwei Mädchen gegründet.

Bei der Jahreshauptversammlung am 7. Februar 1998 ergab sich eine Änderung im Amt des Schriftführers. Der Doppelposten Schriftführer und Kassier wurde getrennt und Peter Gras wurde als Schriftführer gewählt, während Frank Schneider weiterhin als Kassier bestätigt wurde.

Im März 1998 kauften wir von unserer Patenwehr einen Manschaftstransportwagen des Typs VW, für 1500,-- DM. In diesem Jahr fanden 42 Übungen statt und wir wurden zu zehn Einsätzen gerufen.

Im Jahr 1999 wurden, zur Verbesserung des Brandschutzes, von der Gemeinde die finanziellen Mittel genehmigt, um einen Schlauchanhänger zu bauen. In vielen Stunden Eigenarbeit wurde dieser gefertigt und in Dienst gestellt. Außer 1000 Meter an B-Schläuchen ist auch eine Tragkraftspritze TS 8/8 sowie das dazugehörende Zubehör aus dem Anhänger untergebracht.

Es fanden 1999 wieder 47 Übungen statt und die Freiwillige Feuerwehr wurde zu sechs Einsätzen gerufen.